Forschung
Lehr- und Forschungsschwerpunkt "Stadt, Region und soziale Sicherheit"
Eine Grundkategorie des menschlichen Daseins ist “Sicherheit”: das tatsächliche oder subjektiv vermeintliche Fehlen von Risiken verschiedenster Art: arm oder arbeitslos zu werden, fehlende oder unzureichende Versorgung im Falle von Krankheit oder Pflegebedürftigkeit, Opfer von Gewalt oder anderen Straftaten zu werden usw. Auch unter modernen Bedingungen ist das glaubwürdige Versprechen von Sicherheit eine der zentralen Ressourcen für die Legitimierung von Herrschaft. Sicherheit im objektiven und subjektiven Sinne beruht auf sozialen Konstruktionen und Arrangements.
Im Forschungsschwerpunkt steht die Frage nach dem Raumbezug von sozialer Sicherheit im Vordergrund. Variieren die tatsächlichen und vorgestellten Risiken von Arbeitslosigkeit, Armut, Gewalt, schlechter Versorgung bei Pflegebedürftigkeit usw. mit verschiedenen Regionstypen und wenn ja: welche Gründe hat das? In diesem Zusammenhang werden auch Fragen und Widersprüche aus der aktuellen Diskussion zur Stadt- und Regionalentwicklung thematisiert: Bedeutet die Orientierung am Leitbild der “unternehmerischen Stadt” ein Ende der “sozialen Stadt”? Wie vereinbar ist das Leitbild der “sicheren Stadt” mit Vorstellungen über “Urbanität”? Können wir tatsächlich einen Trend zur “unzivilisierten Stadt” beobachten? Finden veränderte Zeitarrangements im Erwerbsleben ihre Entsprechung in einer “kommunalen Zeitpolitik”?
Die Arbeit im Forschungsschwerpunkt ist interdisziplinär und interinstitutionell. Wir können nur sinnvolle Forschungen betreiben, wenn wir uns mit der Sichtweise anderer Fächer auseinandersetzen und mit anderen Institutionen zusammenarbeiten.
Eine dauerhafte Kooperationsbeziehung besteht zum Freiburger Institut für angewandte Sozialwissenschaft (FIFAS).
Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den Fachhochschulen für Sozialwesen werden angestrebt und sind z.T. auch schon realisiert. Angestrebt werden regelmäßige Praktikumsangebote in dem Bereich "Stadtplanung, Stadtforschung, Sozialplanung".
Von dieser Möglichkeit kann z.T. schon Gebrauch gemacht werden.
Im Forschungsschwerpunkt werden Lehrveranstaltungen angeboten und empirische Forschungsprojekte, an denen die Mitarbeit möglich ist und die Gelegenheit zu Magisterarbeiten und Dissertationen bieten.
Anregungen und Anfragen werden erbeten an PD Dr. Baldo Blinkert.
In der jüngeren Vergangenheit wurden die folgenden Projekte durchgeführt (vgl. Publikationen):
- Eine Untersuchung über die Belastung des Stadtgebietes von Freiburg mit sozialen Problemen.
- Zwei Studien über die Situation älterer Menschen (Freiburg, Backnang)
- Soziologische Überlegungen zur Planung des neuen Stadtteils Rieselfeld
- Die Freiburger Kinderstudie: Was für Aktionsräume haben Kinder im Vorschul- und Grundschulalter? Was bedeutet es für Lebensqualität und Entwicklungschancen, wenn Aktionsräume fehlen? Was kann eine Kommune tun, um die Aktionsraumqualität zu verbessern?
- Erstellung eines Mietspiegels für die Stadt Freiburg auf der Grundlage einer Regressionsanalyse.
- Jugendstudie Pforzheim: Freizeitinteresen und -verhalten von Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren; Bekanntheitsgrad und Nutzung von Angeboten der offenen Jugendarbeit; wie zutreffend sind die Stereotype von den "gewaltbereiten", "medienabhängigen" und "konsumsüchtigen" Jugendlichen?
- "Soziale Strukturen und soziale Probleme": Entwicklung von Indikatoren zur Beschreibung der Sozialstruktur von Stadt- und Landkreisen in Baden-Württemberg
- Eine Untersuchung über die Situation von Kindern im ländlichen Bereich
- "Pflege im sozialen Wandel" (Pflegestudie Baden-Württemberg): Wie hat sich die Situation von häuslich versorgten Pflegebedürftigen nach Einführung der Pflegeversicherung verändert?
- "Pflegekulturelle Orientierungen und soziale Milieus": Untersuchungen in einer Kleinstadt (Munderkingen) und in einer Großstadt (Kassel) über die soziale Verankerung von Solidarität und Pflegebereitschaften
- Jugendstudie Staufen: Freizeitinteresen und -verhalten von Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren; Bekanntheitsgrad und Nutzung von Angeboten der offenen Jugendarbeit
- Expertise für die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages über die Entwicklung der Versorgungssituation von Pflegebedürftigen unter Berücksichtigung des demographischen und sozialen Wandels bis 2050
- laufend alle zwei Jahre: Erstellung eines Mietspiegels für die Stadt Freiburg
Zur Zeit werden mehrere Forschungsprojekte durchgeführt:
- Fortschreibung des Freiburger Mietspiegels
- "Pflegekulturelle Orientierungen und soziale Milieus": Untersuchungen in Kassel über die soziale Verankerung von Solidarität und Pflegebereitschaften in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Fachhochschule Freiburg
- Jugendstudie Staufen: Freizeitinteresen und -verhalten von Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren; Bekanntheitsgrad und Nutzung von Angeboten der offenen Jugendarbeit
Im Forschungsschwerpunkt stehen praxisnahe Fragestellungen im Vordergrund. Die Projekte haben sehr oft einen Auftraggeber (z.B. Stadtverwaltungen, Verbände). Zur Vorbereitung und zur Einarbeitung in den Umkreis eines Projektes
