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Promotionsprojekt Kim Hagedorn

Das träumende Subjekt - zwischen Subversion und Selbstoptimierung

 

„Durch die Wiederholung wird das, was im Anfang nur als zufällig und möglich erschien, zu einem Wirklichen und Bestätigten.“ (Hegel 1973: 380)

 

Die Kunst, sich durch Träume glücklich zu machen (Meyer 1775) ist ein vermeintlich anleitendes Werk aus der Zeit der Aufklärung. Es verheißt, den Leser darin anzuleiten, „sich solche Träume zu verschaffen, wie man sie seinen Neigungen nach verlanget“ (ebd.). Der Titel liest sich wie einer der gegenwärtigen Ratgeber- und Lifestyle-Literatur, besonders in Bezug auf das luzide Träumen, welches den Umstand des bewussten und aktiven nächtlichen Träumens meint und durch Techniken und Übungen erlernbar sei. So lauten diese Titel z. B. Klarträume – Träume bewusst steuern – die Kreativität beflügeln – Probleme lösen (Tuccillo/Zeizel 2015), oder Träume, was du träumen willst: Die Kunst des luziden Träumens (LaBerge/Rheingold 2014). Im Unterschied zu der heutigen genannten Literatur jedoch, ist der erstgenannte Titel, der eines Satirewerks. Wo sich also selbst während der Aufklärung, ein Spaß erlaubt – der sicherlich nicht von allen als solcher verstanden, sondern sehr wohl auch für ernste Absicht gehalten – wurde, steckt heute eine ganz und gar ernst gemeinte Absicht hinter der Anleitung, sich glücklich zu träumen. Einst von der Satire der Aufklärung als Möglichkeit und zugleich Absurdität aufgeworfen, ist die aktive Verwendung von Träumen zur Subjektmodifizierung zu einer tatsächlichen Praxis und einem bestätigten Diskurs geworden.

Das Träumen kann erstens Objekt des Regierens sein, es kann zweitens ein Mittel zur Fremd- und Selbstregierung sein, aber ebenso kann es drittens auch genau die Grenze des Regiertwerdens markieren und sich insofern jeder Kontrolle und Regierbarmachung entziehen. Im Rahmen meines Dissertationsprojekts befasse ich mich vor dem Hintergrund dieser drei genannten Kategorien mit dem ambivalenten Subjektivierungspotenzial des nächtlichen Träumens

 

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