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Promotionsprojekt Karin Parienti-Maire

Freundschaft@parienti.net

 

„Il faut cultiver votre jardin“ (Voltaire). Zur 'Politik der Freundschaft' in Gemeinschaftsgärten: eine deutsch-französische Perspektive

 

Dieses Dissertationsprojekt, das an der Schwelle zwischen Soziologie der sozialen Bewegungen und politischer Theorie angesiedelt ist, zielt darauf, das soziale Phänomen des „urban gardenings“ in seiner politischen Dimension zu erkunden. Dabei wird besonders auf die Projektform  der Gemeinschaftsgärten eingegangen. Als miniaturformatige Indikatoren des sozialen Wandels fungieren solche Gärten zugleich als „Abbild“ der Vergemeinschaftungsphänomene sowie als heterotopische Orte (Les hétérotopies, Foucault), die sowohl natürliche wie soziale Experimente  erkennen lassen.

Da sich die soziale Bindung der Freundschaft in ihrer Komplexität gerade an der Grenze zwischen Privatem bzw. Intimen und Gesellschaftlichem befindet, wird an ihren Ausdrucksformen die Neu- bzw. Umverteilung von Öffentlichkeit und  Privatheit besonders gut ablesbar. Deshalb soll im empirischen Teil der Arbeit ein besonderer thematischer Fokus auf die Sozialität von Freundschaft gelegt werden. Auch stelle ich dabei die Vermutung auf, dass Freundschaft in diesen sozialen und natürlichen Orten der Gemeinschaftsgärten auch einen besonderen politischen Impetus besitzt. Diesen könnte man zum einen  in der utopischen Dimension des Gartens sehen, als symbolisch mehrfach besetzter Ort, sowie in seiner mikrologischen Dimension als Ort der sozialen und politischen Praktiken.

Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen:

Inwieweit sind diese Gärten Orte des politischen Experiments bzw. des eskapistischen Rückzugs ins Private?

Inwiefern trägt die soziale Form der Freundschaft dazu bei, den politischen Impetus der Gärtengemeinschaften zu tragen?

Welche Politik als Subjektivierungsformen zeichnet sich in diesen Gärten ab?

Welche Reste von Herrschaftsformen überdauern?

Diesen Fragestellungen soll anhand einer qualitativen Studie in mehreren Gemeinschaftsgärten in Frankreich und in Deutschland (Paris, Nizza, Berlin und Freiburg) nachgegangen werden. Teilnehmende Beobachtung wird dabei die zentrale Vorgehensweise sein. Die Realität des Forschungsfelds wird jedoch im Sinne der 'grounded theory' diese Fragestellungen im Laufe des Forschungsprozesses revidieren und verschieben. Die soziologisch-empirische Herangehensweise wird durch eine kulturgeschichtliche Untersuchung früherer Formen von Gemeinschaftsgärten in der Ideengeschichte, in den Sozialutopien und  in Sozialexperimenten der Neuzeit ergänzt sein.

 

Karin Parienti-Maire studierte Germanistik, Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie in Paris und in Heidelberg. Seit Januar 2013 ist sie Kollegiatin am DFG-Graduiertenkolleg „Freunde, Gönner, Patronen“ der Universität Freiburg.

 

 

Publikationen, Mitherausgeberschaft und Tagungen

  

  • Der Täter und sein Gewissen. Zum Problem der Verantwortung bei Günther Anders und Hannah Arendt, in: Günther Anders. Urlaub vom Nichts, Edition Art&Science, Wien 2003.
  • Tumultes n°27-28: Günther Anders: Agir pour repousser la fin du monde, Oktober 2007. (zusammen mit Christophe David)
  • Considérations sur Günther Anders et Hannah Arendt, in :Tumultes n° 28-29, Oktober 2007.
  • Übersetzung ins Französische des Kommentars von Günther Anders und Hannah Arendt zu den Duineser Elegien von Rilke, Edition Payot & Rivages, 2007.
  • Organisation mit Florence Baillet und Arnauld Regnauld des Kolloquiums über: Das Intime und das Politische in der zeitgenössischen Kunst und Literatur, Paris Heinrich Heine Haus, Juni 2010.
  • Honte et politique dans le Liseur de Bernard Schlink, in : L'intime et le politique dans la littérature et les arts contemporains, Florence Baillet und Arnauld Regnauld, Paris, Michel Houdiard, 2011.[Online] in: Poétique de l'Étranger n° 8; www2.univ-paris8.fr/dela/etranger/pages/8/parienti-maire.html
  • Vortrag bei der Tagung des Centre de Recherches en Philosophie Contemporaine der Universität Strasbourg zum Thema: Die Philosophen lesen Kafka, Titel: Politique de Kafka, esthétique de Kafka : Une souris vaut un prince, Strasbourg Mai 2011.