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Dr. Christian Dries

 

 

 

Kontakt:


Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Institut für Soziologie
Rempartstraße 15
D–79085 Freiburg

Tel.: +49 761 203-3494
E-Mail: christian.dries@soziologie.uni-freiburg.de
Raum: 4507

Sprechstunde im WiSe 2017/18:
Freitag, 16:00-17:00 Uhr

Feriensprechstunden (immer Freitag, 16:00-18:00 Uhr): 04.08., 11.8. (ausnahmsweise bereits von 12:00-13:00 Uhr), 08.09., 22.09., 06.10., 13.10.

 

Aktuelles

 

  • Letzte Veröffentlichung:

    Dries, Christian (2017): La vérité peut être livrée sur le plateau de la vérité ou sur celui de la non-vérité. La critique de la langue comme pratique révolutionnaire. In: Europe. Revue littéraire mensuelle, Juin-Julliet-Août, S. 239-253.

 

  • Nächste Veröffentlichung:

    Bröckling, Ulrich/Christian Dries/Matthias Leanza/Tobias Schlechtriemen (2017): Out of order - Soziologie jenseits des Ordnungsbias. Skizze eines Forschungsprogramms. In: Michael Schetsche/Ina Schmied-Knittel (Hg.): Heterodoxie. Konzepte, Traditionen, Figuren der Abweichung. Köln (i.E.).

 

Arbeitsschwerpunkte

  • Sozialphilosophie/Sozial- und Gesellschaftstheorie
  • Philosophische Anthropologie
  • Kultursoziologie
  • Urteilskraft
  • Nationalsozialismus
  • Günther Anders, Hannah Arendt

 

Habilitationsprojekt

„Urteilskraft. Genealogie eines Schlüsselbegriffs der Moderne“ (Arbeitstitel)

Die Urteilskraft gehört nicht nur zum begrifflichen Kernbestand der neuzeitlich-modernen Subjektphilosophie, sie ist ein Schlüsselbegriff der Moderne. Gerade heute scheint sie in unterschiedlichen semantischen Gewändern wieder mehr denn je en vogue, als grundlegende philosophische Kategorie, als Bestandteil ethischer Entwürfe, als politisch-kritisches Vermögen und pädagogisches Konzept, als Anrufung und Zumutung. Zugespitzt lässt sich sagen: Während in der Aufklärung alle Individuen (= der allgemeine Mensch) qua Vernunft prinzipiell urteilskräftig sind, aber nicht alles eine Frage der Entscheidung ist, gerät heute alles – vom schnöden Einkauf bis zur Partnerwahl – unter Entscheidungsdruck, während Status und Reichweite der Urteilskraft zunehmend problematisch werden.

Brisant und aktuell ist die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Urteilskraft (ihren Ermöglichungs- wie ihren Verwirklichungsbedingungen) vor dem Hintergrund der Shoah. Was bedeutet es für die Urteilskraft, für die Idee des autonomen Vernunftwesens Mensch überhaupt, wenn wir nicht länger davon ausgehen können, dass Adolf Eichmann und die „Vordenker der Vernichtung“ (G. Aly/S. Heim) lediglich subalterne, zu eigener Urteilsbildung unfähige Befehlsempfänger bzw. - so ein gängiger Tätertopos - urteilskraftlose ‚Maschinenteile‘ waren?

Das Habilitationsprojekt will den Metamorphosen der Urteilskraft am Beispiel einschlägiger philosophischer, soziologischer und sozialpsychologischer Texte im Hinblick auf die ihnen korrespondierenden gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen nachgehen und dabei u.a. folgende Forschungsleitfragen bearbeiten:

  • Welche Urteilskraftnarrative bilden sich im Rahmen unterschiedlicher geistesgeschichtlicher und sozialgeschichtlicher Entwicklungsphasen bzw. historischer Plateaus der Moderne aus (anders gewendet: was sind die Konstruktionsbedingungen der Urteilskraft),
  • welche Funktion haben sie (für welches gesellschaftliche Problem sind sie eine Lösung; woher kommt der Bedarf nach Urteilskraft)
  • und welche Subjektpositionen/Subjektivierungstypen gehen damit einher?

 

Das heißt konkret:

  • Wie ändert sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung/der Form der Vergesellschaftung auch der Begriff/das Konzept der Urteilskraft (und ihrer Gegenbegriffe)?
  • Welche Akteure thematisieren Urteilskraft (und ihre Gegenbegriffe) auf welche Weise?
  • Wem wird Urteilskraft zu- oder abgesprochen? Welches Geschlecht hat die Urteilskraft?

 

Der genealogische Durchgang im ersten Teil der Arbeit soll durch einen sozialphilosophischen Ausblick beschlossen werden. Leitfragen dabei sind:

  • Was sind die sozialen/sozialpsychologischen Dimensionen der Urteilskraft?
  • Wie lässt sich Urteilskraft unter Berücksichtigung soziologischer und sozialpsychologischer Forschung heute (neu) fassen?
  • Ist Urteilskraft eine (notwendige) gesellschaftliche Illusion, oder bietet ein soziologisch informiertes Konzept der Urteilskraft gar eine Basis für alternative Modi von Gesellschaftskritik und politischer Praxis – und wenn ja, welche?