Lehre
Aktuelle Lehrveranstaltungen
Klassikerparcours: Günther Anders - Von der Weltoffenheit des Menschen zum Weltzustand Technik (Lektüreseminar)
Termin: Dienstag, 08-10 Uhr.
Raum: Übungsraum 1, KG IV.
Studienleistung: regelmäßige Mitarbeit, regelmäßige (umfangreiche) Textlektüre, Referat; zusätzliche Studienleistung: 8-10 S. Hausarbeit nach Absprache.
Prüfungsleistung: 8-10 S. Hausarbeit nach Absprache.
(Ersatzleistung: Eine Stunde mündliche Prüfung zum gesamten Lektürestoff des Seminars.)
Günther Anders, geb. Stern (1902-1992), gehört zu den profiliertesten Kritikern der Moderne. Sein thematisches Spektrum reicht von Anthropologie und Kunsttheorie bis hin zu Technikkritik und Gesellschaftstheorie. Seine Thesen – über die essentielle Unbestimmtheit und Weltoffenheit des menschlichen Wesens, das „prometheische Gefälle“ zwischen dem, was Menschen herstellen und vorstellen können, die industrielle Leichenproduktion in Auschwitz, das Fernsehen oder die Atomtechnik – schlagen sich bei so unterschiedlichen Denkern wie Arnold Gehlen, Jean-Paul Sartre, Jean Baudrillard und Ulrich Beck nieder. Große Schnittflächen gibt es auch zu Marx und zur Kritischen Theorie. Im Seminar wollen wir die zentralen Theoreme des Andersschen Werkes herausarbeiten und diese anhand aktueller Phänomene und Ereignisse wie z.B. Online-Partnerbörsen oder die Reaktorkatastrophe in Fukushima nach ihrer Brauchbarkeit für die Soziologie befragen. Ein Schwerpunkt des Seminars liegt auf Andersʼ zum größten Teil noch unveröffentlichten anthropologischen Frühschriften und deren Kontext (Max Scheler, Helmuth Plessner). Das Seminar wendet sich daher ausdrücklich auch an Studierende im Masterstudiengang Interdisziplinäre Anthropologie.
Vergangene Lehrveranstaltungen
Schlüsselbegriffe der Soziologie: Individuum
Ohne Individuen keine Gesellschaft – aber auch: ohne Gesellschaft keine Individuen. Zwischen diesen beiden theoretischen Polen beschäftigen wir uns im ersten Teil des Seminars zunächst mit den historischen Ursprüngen des modernen bürgerlichen Individuums und den grundlegenden Mechanismen seiner Vergesellschaftung, mit dem Verhältnis von Individuum und sozialem Zwang, Individuum und Masse, dem Geschlecht von Individualisierungsprozessen und der Kritik der Individualisierungstheorie. Der zweite Teil des Seminars nimmt exemplarisch unterschiedliche Typen von Individuen und Individualisierung in den Blick, darunter das gefährliche, das romantische, das flexible und das erschöpfte Selbst. Bei unserer Arbeit begegnen uns u.a. Immanuel Kant, Max Stirner, Karl Marx, Georg Simmel, Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim, Eva Illouz und ganz normale Männer, die zu Massenmördern werden.
Klassikerparcours: Karl Marx (Lektüreseminar)
Karl Marx gilt als „Gründervater“ der Soziologie, d. h. zahlreiche Motive, Themen und Probleme soziologischen und sozialphilosophischen Denkens sind in seinen Schriften grundgelegt. Das Seminar will im lektüreintensiven Durchgang durch die Marxsche Theorieentwicklung – von der Religionskritik und der Theorie der Entfremdung über die materialistische Theorie der Geschichte und der kommunistischen Revolution bis hin zur Funktionslogik des Kapitalismus – zentrale Stadien, Knotenpunkte und Umbrüche Marxschen Denkens rekonstruieren und schließlich die Frage beantworten, ob und wenn ja, inwiefern Karl Marx auch knapp 130 Jahre nach seinem Tod für soziologisches Denken noch immer bzw. wieder aktuell und anschlussfähig ist.
Schlüsselbegriffe der Soziologie: Arbeit
„Arbeit“ zählt zu den Schlüsselbegriffen der Soziologie. Im Seminar wollen wir unser Thema unter drei miteinander zusammenhängenden Gesichtspunkten – Arbeitsbegriff, Arbeitswelt(en), Zukunft der Arbeit – bearbeiten. Zunächst diskutieren wir die Frage: was heißt, was ist eigentlich Arbeit? Im Anschluss daran befassen wir uns mit Arbeit als Struktur und Kultur von Gesellschaft, das heißt mit der Frage, wie Arbeit (und Arbeitslosigkeit) Gesellschaften beeinflusst und prägt. Schließlich widmen wir uns der Frage der Zukunft der Arbeit in einer paradoxen Arbeitswelt, in der alle immer mehr arbeiten, während manche das Ende der Arbeit ausrufen. Bei unserer Arbeit im Seminar begegnen uns u.a. Karl Marx, Richard Sennett, Ulrich Beck, Ronald McDonald, die Arbeitslosen von Marienthal, Arbeitslager, die digitale Bohème und das bedingungslose Grundeinkommen.
Geht uns die Arbeit aus? Soziologisch-ökonomische Erörterung einer Schlüsselfrage der Moderne (gem. mit Dr. Gert Keil, Berlin)
Nicht nur Soziologen wie Ulrich Beck empfehlen der Politik, sich vom Modell der Vollbeschäftigungsgesellschaft zu lösen. Da werde die Energie auf etwas vergeudet, das doch längst geklärt sei: durch den technischen Fortschritt werden mehr Arbeitsplätze abgebaut, als durch (ökologische vertretbares) Wachstum kompensiert werden kann. Diese Meinung ist unter Soziologen und Philosophen weit verbreitet. Ökonomen halten sie für eine bloße Ideologie. Für sie ist die steigende Arbeitslosigkeit immer das Ergebnis falscher politischer oder tariflicher Weichenstellungen. Das Seminar versucht im Durchgang durch einschlägige Positionen aus Philosophie, Soziologie und Ökonomie, die beiden unterschiedlichen Perspektiven zu vermitteln.
