Nils Ellebrecht, M.A.
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Arbeitsschwerpunkte
- Organisations-, Technik- und Katastrophensoziologie
- Historische Soziologie
- Empirische Forschung zu Notfallorganisationen unter Verwendung qualitativer und quantitativer Verfahren
Publikationen
- mit Markus Jenki, Stefan Kaufmann: Inszenierte Katastrophen. Zur Geschichte und Systematik von Übungsformen im Bevölkerungsschutz, in: Leon Hempel, Marie Bartels (Hrsg.), Aufbruch ins Unversicherbare. Zum Katastrophendiskurs der Gegenwart, transcript (i.E.)
- mit Leo Latsch: Vorsichtung durch Rettungsassistenten auf der Großübung SOGRO MANV 500. Eine vergleichende Analyse der Fehleinstufungen, in: Notfall + Rettungsmedizin 15/1, S. 58-64 .
2011 und früher
- mit Markus Jenki: Technik und Kultur von Notfallorganisationen im Wandel: Erste soziologische Tagung zu Feuerwehr und Rettungswesen, in: Im Einsatz 18/6 (2011), S. 8-11.
- mit Markus Jenki: Beobachten – Filmen – Befragen. Soziologische Technik-/Organisationsforschung bei Notfallübungen, in: Im Einsatz 18/2 (2011), S. 20–25.
- Triage. Charakteristika und Gegenwart eines ordnungsstiftenden Verfahrens, in: Sociologia Internationalis 47/2 (2009), S. 229–257.
- Türkenfurcht und Franzosenhass. Eine vergleichende Untersuchung der erbfeindlichen Bedrohung unter religionstheoretischen Vorzeichen, Freiburg 2008 (Unveröffentlichte Magisterarbeit).
Vorträge / Workshops / Tagungen
- Convener des Panels "On fire engines and big red buttons: technique in emergency situations and disasters" auf dem kommenden Annual Meeting der Society for Social Studies of Science (4S), Copenhagen, Denmark, October 2012. Papers können bis zum 18.3. hier eingereicht werden.
- "Moderation – Evaluation – Forschung: Zur dreifachen Funktion der Soziologie und ihrer jeweiligen methodischen Ausrüstung. Am Beispiel der Entwicklung einer Rettungstechnik im interdisziplinären Projekt SOGRO" Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung "Einführung in die empirische Sozialforschung", Freiburg, 25.1.2012.
- mit Markus Jenki: "Practising Disaster Response", Vortrag im Rahmen des 36th Annual Meeting, Society for Social Studies of Science (4S), Cleveland, Ohio, 4.11.2011.
- Organisationen und Experten des Notfalls. Technik und Kultur von Feuerwehr und Rettungswesen im Wandel, Tagung, Institut für Soziologie Freiburg, 29.-30.9.2011 (Mitveranstalter).
- "In case of emergency..." Zur Materialität der Notfalltechnik, Tagung "Materialitäten. Herausforderungen für die Sozial- und Kulturwissenschaften", Institut für Soziologie der Johannes Gutenberg Universität Mainz, 19.10.2011.
- mit Markus Jenki: "Organisation versus Chaos. Eine Kritik der Antizipation chaotischer Zustände in der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr", Tagung der Sektion Organisationssoziologie: Organisationen im Chaos?, Potsdam, 15.10.2011.
- "Triage – In Historical and Sociological Perspective" und "SOGRO MANV 500", Vorträge im Rahmen eines Workshops der Forschergruppe "Communicating Disaster" am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), Universität Bielefeld, 20.7.2011.
- "SOGRO MANV 500. Einsatz und Evaluation der digitalen Triage auf einer Großübung", Vortrag im Rahmen einer Fortbildung der Leitenden Notarzt Gruppe Rettungsdienstbereich Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald, Kirchzarten, 31.3.2011.
- "Soziologische Sicherheitsforschung" und "SOGRO - Sofortrettung bei Großunfall mit Massenanfall von Verletzten", Vortrag im Rahmen des Besuchs des Centre for Security and Society von Armin Schuster, MdB, 11.2.2011.
Lehre
- SoSe 2012 und WiSe 2012/13: Empirisches Forschungspraktikum I + II: Einführung in die qualitative Interviewforschung: "Experten des Notfalls: Zwischen Routine und Ausnahme. Zum Arbeitsalltag von Rettungsassistenten und/oder Feuerwehr" (mit Jan Kruse)
In der zweisemestrigen Veranstaltung steht die forschungspraktische Übung der Methode der qualitativen Interviewforschung im Vordergrund. Neben einer allgemeinen Einführung in die Grundlagen der qualitativen Sozialforschung in theoretischer, methodischer und arbeitsorganisatorischer Hinsicht steht die praktische Durchführung einer qualitativen Interviewstudie im Mittelpunkt, um alle Phasen des qualitativen Forschungsprozesses methodisch zu erproben (Entwicklung einer Fragestellung, Interviewleitfadenentwicklung, Qualitatives Sampling, Interviewdurchführung, Transkription, hermeneutisch-rekonstruktive Auswertung). Als Forschungsprojekt wird diesmal im Rahmen der Organisations- und Sicherheitsforschung am Institut für Soziologie eine qualitative Studie über den Berufsalltag von Rettungsassistenten/-innen und/oder Bediensteten der Berufsfeuerwehren angestrebt, der vor allem durch den ständigen Wechsel von Notfalleinsatz und Bereitschaftsdienst gekennzeichnet ist. Typische Themen von Notfallorganisationen sollen dabei behandelt werden: Ausnahmesituation und Berufsroutine, Organisationshierarchie und Kameradschaft, Helfen und Retten, (fremdes) Leben und (fremdes) Sterben, Stress, Risiko und Sicherheit, etc.. Im Seminar wird hierzu der Gesprächsleitfaden für die durchzuführenden teilnarrativen Interviews gemeinsam entwickelt, und alle Teilnehmenden führen ein bis zwei Interviews durch. Die qualitativen Interviews werden voraussichtlich in den Semesterferien durchgeführt und müssen zu Beginn des Wintersemesters transkribiert sein, um dann im zweiten Teil der Veranstaltung mit den eigenen Textmaterialien arbeiten zu können. Weitere Informationen zum Seminarverlauf hier.
- WiSe 2011/12: Soziologie der Organisation (mit Stefan Kaufmann)
Amatai Etzionis Beobachtung aus den 1960er Jahren, dass wir in Organisationen geboren werden, von ihnen ausgebildet werden, für Organisationen arbeiten, überhaupt den größten Teil unseres Lebens in Organisationen verbringen und schließlich von Organisationen unter die Erde gebracht werden, wird man auch heute kaum widersprechen. Die moderne Gesellschaft ist eine Organisationsgesellschaft. Freilich aber unterscheiden sich die heutigen Geburtskliniken, die Schulen, die Unternehmen, die Organisation der Arbeit, die Formen, Freizeit und selbst das Sterben zu organisieren, erheblich von denen der 1960er Jahre.
Verhandelt werden grundlegende Arbeiten zur Theorie und zum Wandel von Organisationen, wobei das Seminar drei Schwerpunkte setzt. Den Ausgangspunkt bilden klassische Arbeiten (Weber, Marx) zur Organisation von Herrschaft und Arbeit in der Moderne. Ein zweiter Schwerpunkt gilt der Fortführung, Ausdifferenzierung und Kritik dieser Grundlagen in unterschiedlichen soziologischen Zugängen von verhaltenswissenschaftlicher bis zu systemtheoretischer Provenienz. Schließlich wird auf dem Hintergrund eines sich wandelnden Arbeitsparadigmas das Konzept netzwerkförmiger Organisation verhandelt.
Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf textbasierten Diskussionen. Für den letzten Teil sind themenorientierte Referate vorgesehen.
Literatur: Klaus Türk, Michael Bruch, Thomas Lemke: Organisation in der modernen Gesellschaft. Eine historische Einführung, Wiesbaden 2002.
- SoSe 2011: Einführung in die Soziologie der Katastrophe
Katastrophen sind fundamentale soziale Angelegenheiten. Dafür spricht allein schon die Tatsache, dass Katastrophenorte für eine lange Zeit im kollektiven Gedächtnis abrufbar sind: Ramstein, Eschede oder Duisburg, Haiti, New York oder New Orleans - mit jedem dieser Ortsnamen verbinden wir entsetzliche Bilder.
Im Seminar werden wir uns auf die Suche nach den anthropologischen Gründen machen, die für das Ent-setzliche einer Katastrophe verantwortlich sind. Wir werden uns mit dem radikalen Verlust von
Sicherheit und dem rapiden Wandel sozialer Strukturen und Ordnung beschäftigen, die für jede Katastrophe charakteristisch sind und die die Betroffenen vor enorme Herausforderungen stellen. Anhand soziologischer Fallstudien werden die sozialen Prozesse in Katastrophen beleuchtet werden. Die Motivation und Organisationsformen von freiwilligen Helfern werden uns genauso beschäftigen wie die Frage, ob und wenn, warum Menschen in derartigen Situationen panisch reagieren.
In den ersten Semesterwochen werden verschiedene Katastrophendefinition diskutiert, die Geschichte und die Organisation des deutschen Katastrophenschutzes erörtet und Begriffe, Methoden und Konzepte der Katastrophenforschung vorgestellt.
Literatur: Lars Clausen und Wolf R. Dombrowsky (1983): Einführung in die Soziologie der Katastrophen, Bonn: Osang; Lohnend ist ein Blick in die Online-Bibliothek des Disaster Research Centers (DRC) der University of Delaware: http://dspace.udel.edu:8080/dspace/handle/19716/35
- SoSe 2010: Staat und Sicherheit
„Sicherheit ist der Zweck, weshalb die Menschen sich anderen unterwerfen“. Thomas Hobbes macht uns hier in prägnanter Kürze darauf aufmerksam, warum es den modernen Staat eigentlich gibt, nämlich weil wir uns ihm im Zuge seines Versprechens, wesentlich Sicherheitsstaat zu sein, unterordnen. Hobbes versteht den Staat als Schutzmacht, die uns vor Übergriffen anderer bewahren soll. Wird die Hobbes’sche Aussage auf den Staat selbst angewandt, tritt ein Problem auf, denn über dem souveränen Staat steht auf den ersten - und womöglich auch zweiten Blick niemand anderes. Der Staat kann sich niemanden unterwerfen, der ihm Sicherheit verspricht, sondern muss die Instrumente zur Bewahrung seiner eigenen Sicherheit selbst enthalten. Die zentrale Frage lautet einerseits also: wie stellt der Staat Sicherheit überhaupt her?, daneben aber eben auch: wie sichert sich der Staat vor denjenigen, denen er Sicherheit verspricht und wie sichern sich die Untertanen vor dem, der ihnen Sicherheit verspricht? So gesehen muss die Beziehung von Staat und Sicherheit nicht nur aus der Perspektive des Sicherheitsstaats, sondern auch aus der der Staatsicherheit betrachtet werden.
Das Seminarthema kann von unterschiedlichen Seiten her angegangen werden. Neben den Klassikern der Staatstheorie wird in der ersten Semesterhälfte die Herrschaftssoziologie Max Webers zu Wort kommen.
Sicherheit ist eine Zentralkategorie zeitgenössischen Denkens, der Staat der Hauptakteur sicherheitstechnischen Wirkens. Diese Aussage gilt heute oft unwidersprochen und soll deshalb historisiert werden. Erst im Laufe der letzten Jahrhunderte hat der Staat seine Sicherungstätigkeiten und so sich selbst entfaltet und ausgedehnt, er fungiert heute nicht nur als reine Schutzmacht, sondern garantiert auch Rechtssicherheit und soziale Sicherheit. Im zweiten Teil des Seminars werden wir uns unterschiedlichen historischen Facetten und Gegenständen staatlichen Sicherheitsdenkens zuwenden und am Ende in der Gegenwart, beim Präventionsstaat, ankommen.
Literatur: Freiheit oder Sicherheit, in: Bertrand de Jouvenel, Über die Staatsgewalt. Die Naturgeschichte ihres Wachstums, Freiburg im Breisgau 1972.
- Sose 2008: Biopolitik und Rassismus (teaching assistant von Stefan Kaufmann)
Zentrale Motive rassistischer Denkbewegungen und Praktiken entstammen zwei unterschiedlichen Diskurssträngen, die sich im Laufe der Geschichte mehrfach kreuzten und sich in ihrer politischen Wirksamkeit verstärkten. Zum einen hat die Kategorie "Rasse" ihre Wurzeln in der Anthropologie, ist also ein biologischer Begriff, ein Klassifikationsbegriff für unterschiedliche Menschengruppen. In dieser Hinsicht steht die Genese des europäischen Rassismus im Kontext des Kolonialismus. Zum anderen entstammt der Rassismus einem rassenhygienischen Denken, einem biologisch-medizinischen Diskurs, der weniger mit kolonialer Expansion zu tun hat, als dass er durch gesundheitspolizeiliche Maßnahmen im Inneren der westlichen Gesellschaften wirksam wurde. Er ist Effekt biopolitischer Praktiken.
Im Seminar werden - ausgehend von Foucaults Arbeiten - einzelne genealogische Stränge biopolitischer Macht und rassistischer Praxis aufgearbeitet. Fluchtpunkt wird die Virulenz des Rassismus in der Gegenwart sein.
Die Lehre erprobt das Konzept der teaching assistance: Johannes Bruder und Nils Ellebrecht sind an der Vorbereitung beteiligt und werden seminarbegleitend eine Lesegruppe leiten (optionale Teilnahme).
Grundlegende Literatur: Michel Foucault: In Verteidigung der Gesellschaft: Vorlesungen am Collège de France (1975-76) Frankfurt/M. 1999.
- SoSe 2007: Theorien des Rassismus (Autonomes Seminar unter Supervision von Wolfgang Eßbach)
Zu Beginn des Seminars soll ein kurzer historischer Einblick zur Entwicklung und den "Spielweisen" des Rassismus gegeben werden. Ziel des Seminars ist jedoch einerseits nach ähnlichen Grundstrukturen als auch nach Differenzen zwischen unterschiedlichen Rassismustypen zu suchen.
Das Seminar ist in zwei große, teils noch zu füllende Themenbereiche gegliedert: Biopolitik und Kulturrassismus. Zum Einstieg in diese beiden Blöcke bietet sich zum Einen Michel Foucaults "In Verteidigung der Gesellschaft" zum Anderen Frantz Fanons "Die Verdammten dieser Erde" an. Im Seminar sollen einerseits rassistische Strukturen im Innern einer Gemeinschaft im Spannungsfeld von Identität und Konfrontation erarbeitet werden. Andererseits wird die Problematik des Eigenen und des Fremden anhand des Kolonialismus und des Kulturrassismus untersucht. Exemplarisch soll im zweiten Block das Phänomen des Orientalismus thematisiert werden. Da dies ein Autonomes Seminar ohne ausgewieseneN DozentIn ist, bestehen andere Spielräume in der Gestaltung des Seminarplans; ihn nach Bedarf und Wünschen der Beteiligten zu modifizieren. Andererseits ist jedoch von allen TeilnehmerInnen auch eine umso intensivere Mitarbeit gefordert, damit ein konstruktiver Austausch stattfinden kann. Das Seminar wird sich neben dem Seminarthema auch mit Theorie und Praxis des Autonomen Seminars an sich auseinandersetzen.
Zur Anmeldung bitte ab 01.04. auf die Teilnehmerliste eintragen, die an der Tür von HS 4520 hängt.
Literatur: Mosse, George L., Die Geschichte des Rassismus in Europa (durchges. und erw. Ausg.), Frankfurt a.M. 1990; Foucault, Michel, In Verteidigung der Gesellschaft. Vorlesungen am Collège de France (1975-76), Frankfurt a.M. 1999; Fanon, Frantz, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt a.M. 1966.
