Ricky Wichum, M.A.
|
|
Seit 09/2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Drittmittelprojekt: Barometer Sicherheit in Deutschland (BaSiD)
Arbeitsschwerpunkte
- Kulturtheorie der Technik
- Sicherheit
- Ästhetische Theorie
- Sozial- und Gesellschaftstheorie
Dissertationsprojekt
"Erkennungsmaschinen. Zur Soziologie biometrischer Systeme“ (Arbeitstitel)
Publikationen und Vorträge
Rezension
- Rezension zu Jörg Potthast. Die Bodenhaftung der Netzwerkgesellschaft, in: traverse. Zeitschrift für Geschichte, 2009, Heft 3, S. 168-170.
Vorträge
- „Das Regieren von (riskanten) Körpern. Zum Beispiel Biometrie“ (21.11.2009), FRIAS Doktorandenkolloquium im Rahmen des Forschungsverbundes 'Sicherheit und Gesellschaft' an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- „Biometrische Maschinen. Die algorithmisch-visuelle Konstruktion von Identität“ (27.08.2010), eikones Summer School 2010 'Die Wirksamkeit der Bilder' (Kurs 1 'Die Visualität von Gesellschaft'), Basel
- „Der Missbrauch biometrischer Systeme aus kriminologischer Sicht" (30.09.2011), 12. Wissenschaftliche Fachtagung der Kriminologischen Gesellschaft 2011 "Täter - Taten - Opfer. Grundlagenfragen und aktuelle Probleme der Kriminalität und ihrer Kontrolle", 29. September – 1. Oktober 2011, Heidelberg (gemeinsam mit Rita Haverkamp)
Lehre
Sommersemester 2009
„Techniksoziologische Gesellschaftstheorie“
Die klassische Techniksoziologie wendet soziologisches Denken auf den Gegenstandsbereich der Technik an. Sie wirft Fragen nach den sozialen Ursachen und Folgen technischer Prozesse, aber auch nach der Gestaltbarkeit und Steuerbarkeit von Technikentwicklung auf. Das Seminar legt dem gegenüber seinen Schwerpunkt auf den gesellschaftstheoretischen Aspekt von Techniksoziologie. In einem ersten Schritt sollen dabei die vielfältigen Beziehungen von Technik und Gesellschaft aufgearbeitet und deren politischen Konsequenzen («Do artefacts have politics?») diskutiert werden. Die von verschiedenen politischen Positionen aus formulierten Kritiken der 1960er und 70er Jahre an der rationalisierten Industriegesellschaft bilden den zweiten Teil des Seminars. Welche theoretischen Implikationen daraus für die Sozialtheorie und die Rolle von Technik in ihr folgen, wird in einem dritten Schritt anhand zentraler Autoren analysiert. Zum Abschluss des Seminars soll nach den gesellschaftlichen, aber auch sozialtheoretischen Fragestellungen und Perspektiven neuerer Überwachungstechnologien gefragt werden.
Sommersemester 2010
„Überwachen und Strafen in der Kontrollgesellschaft“ (zus. mit Sabine Blum, M.A.)
Leben wir in einer Überwachungsgesellschaft? Sind die Orwell'schen Visionen vom allwissenden und allsehenden Big Brother heute Wirklichkeit? Staatlich angeordnete Vorratsdatenspeicherung, die Überwachung des öffentlichen Raums oder die Bespitzelungen von Mitarbeitern in Unternehmen sind nur einige Beispiele von vielen, die in ihrer Summe auf ein Gesamtbild allgegenwärtiger Überwachung hinauszulaufen scheinen. Das Seminar fragt in diesem Kontext nach der soziologischen Relevanz von Überwachung für (post-)moderne Gesellschaften. Es bietet von diesem Interesse geleitet eine Einführung in grundlegende Theorien und Begriffe zur Analyse von Überwachung. Zum anderen werden ausgewählte gesellschaftliche Felder und Technologien, die exemplarisch für eine neue "Kultur der Kontrolle" (Garland) stehen und die durch eine Entgrenzung und Dezentralisierung des Überwachens („Surveillance Society“) und Strafens („new penology“) gekennzeichnet sind, in den Blick genommen. Ziel des Seminar ist es, die Frage nach der Überwachungsgesellschaft in einem soziologisch inspirierten Sinn noch einmal neu zu stellen.
Sommersemester 2011
„Kunst und Gesellschaft“ (Blockseminar zus. mit Onur Erdur, M.A. / ETH Zürich)
Im Vorwort zu Differenz und Wiederholung schreibt Gilles Deleuze: „Ein philosophisches Buch muß einesteils eine ganz besondere Sorte von Kriminalroman sein, andernteils eine Art science fiction.“ Der erste Satz im Vorwort von Die Ordnung der Dinge von Michel Foucault lautet: „Dieses Buch hat seine Entstehung einem Text von Borges zu verdanken.“ Es handelt sich dabei um den Text Die analytische Sprache John Wilkins'. Bruno Latour wiederum beginnt seinen Aufsatz Engel eignen sich nicht als wissenschaftliche Instrumente mit einer Bildinterpretation von Hans Holbeins Die Gesandten aus dem Jahre 1533.
Gemeinsam ist den drei genannten französischen Intellektuellen nicht nur die Schwierigkeit der Einordnung in den traditionellen Fächerkanon. Kunstwerke, seien es Romane, Bilder oder Filme, nehmen in ihren vielfältigen Schriften eine bedeutende Rolle ein. Welche Rolle spielen sie aber konkret in ihren theoretischen Denkbewegungen? Sind Kunstwerke mehr als nur ein origineller Schall des Anfangs oder lässt sich mit und durch sie etwas erklären und verstehen, was ohne sie übersehen oder gar verschüttet gegangen wäre?
Im Seminar sollen ausgehend von der Frage des Verhältnisses von Kunst und Gesellschaft zentrale, aber auch ein wenig abseitige Texte von französischen Soziologen und Philosophen wie etwa Michel Foucault, Gilles Deleuze, Pierre Bourdieu oder auch Jacques Rancière mit dem Ziel gelesen werden, den Begriff und das Verständnis des Ästhetischen als grundlegende Kategorie zeitgenössischer Theorie- und Politikoptionen zu diskutieren. Gerade weil die genannten Theoretiker ihre Konzeptionen des Ästhetischen nicht systematisch entfalten, sondern immer an konkrete Textstellen, Bildräume und Filmsequenzen binden. Im Mittelpunkt des Seminars steht deshalb der Versuch einer eingehenden Beschäftigung mit diesen von den Autoren ins Spiel gebrachten Kunstwerken und die Diskussion über deren Stellung und Wert für die jeweiligen Theorien.
