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Promotionsprojekt Dr. Nele Wulf

Arbeitstitel: Nichtwissen: Konstruktion, Selektion und Bewertung in der nuklearen Entsorgung Schwedens

 

Die Suche nach einem Endlagerstandort für nukleare Reststoffe stellt aktuell für viele moderne Gesellschaften eine große Herausforderung dar. In den Prozess dieser Suche sind verschiedenste Akteursgruppen eingebunden, die sowohl untereinander als auch miteinander kommunizieren, um einer Lösung des Problems Endlagerung näherzukommen. Diese Kommunikation beinhaltet den Austausch über verschiedenste Wissensbestände zu diesem komplexen Unterfangen, die gerade aufgrund ihrer Komplexität divergieren können. Die Promotion setzt sich daher mit der Schwierigkeit von Gegenwartsgesellschaften auseinander, trotz mitunter konflikthafter Wissensbestände zu Entscheidungen zu kommen.

Ausgehend von der Annahme, dass viele Themen häufig nur schwer entscheidbar sind und die „Ungewissheiten“ und manche „Unentscheidbarkeiten“ fachlicher Fragen wie ein Damoklesschwert gerade über komplexen Problemstellungen wie der der Endlagerung hängen, bestimmt die Ausrichtung des Promotionsvorhabens. Als besonderes Phänomen gerät dabei das „Nichtwissen“ in den Blick. Dabei wird die Perspektive nicht am klassischen Wissenschaftsverständnis ausgerichtet: Diesem entsprechend wurde und wird Nicht-Wissen meist als Noch-Nichtwissen begriffen, welches sich auflösen ließe, würde man nur ausreichend forschen. Im Gegensatz dazu wird hier ein zentraler Teil des Nichtwissens als potenziell nicht wissbar oder nicht abschließend zu klären verhandelt.

Nichtwissen und seine Konstruktion, Selektion und Bewertung durch die Akteure wird untersucht unter Bezugnahme auf das schwedische Endlagerungskonzept (KBS-3) und dessen Entwicklung im Spannungsfeld unterschiedlicher Wissensperspektiven. Das Konzept KBS-3 wurde von dem von der Nuklearindustrie gegründeten Abfallentsorgungsunternehmen SKB (Svensk Kärnbränslehantering Aktiebolag) entwickelt und seine Realisierung im März 2011 für den Standort Forsmark beantragt. Der Einschätzung folgend, dass der Umgang mit Nichtwissen für politische Entscheidungen immer bedeutsamer wird, liegt ein weiterer Fokus der Promotion auf der Positionierung der Akteure, durch ihren jeweiligen Zugriff auf Nichtwissen.

 

Ausbildung

 

Studium der Soziologie mit Nebenfach Sinologie (B.A.) und Masterstudium der Soziologie (M.A.) an der Albert-Ludwigs Universität, Freiburg. Master 2014.
Seit September 2014 Doktorandin am ITAS (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse) im Projekt ENTRIA (Entsorgungsoptionen für radioaktive Reststoffe).

 

Publikationen, Herausgeberschaften und Vorträge

 

- 2017 -

Wulf, N.
Decision making in spite of non-knowledge? Phenomena of non-knowledge in Sweden's radioactive waste management. Vortrag auf der ENTRIA-Abschlusskonferenz "Interdisciplinary Research on Radioactive Waste: Ethics - Society - Technology", Braunschweig, 26.09.2017

Wulf, N.
Die nukleare Endlagerung in Schweden: Akteure und ihre Positionierungen unter Bezugnahme auf Nichtwissen. Vortrag beim Doktorandenkolloquium, Konstanz, 31.03.2017

- 2016 -

Kühl, Y.; Wittstock, F.; Wulf, N.
Beteiligung lernen - Diskussionsbeitrag anlässlich des "Bürgerdialogs Standortsuche" der Endlager-Kommission. Technikfolgenabschätzung - Theorie und Praxis 25(2016)1, S. 83-89. Online verfügbar unter: http://www.tatup-journal.de/downloads/2016/tatup161_kuua16a.pdf

Wulf, N.
Die schwedische Suche nach einem Endlagerstandort: Artikulationen von Wissen und Nichtwissen. Vortrag: 2. Doktorand*envortrag im KIT-ITAS, Karlsruhe, 21.11.2016

Wulf, N.
Die schwedische Suche nach einem Endlagerstandort: Artikulationen von Wissen und Nichtwissen. Vortrag: INSIST-Tagung "Schafft Wissen" - Gemeinsames und geteiltes Wissen in Wissenschaft und Technik, München, 08.10.2016

Wulf, N.; Grunwald, A.
Responsibility across generations: The German approach to nuclear waste disposal. Vortrag: 5th Japanese-German University Presidents' Network Conference, Karlsruhe, 30.09.2016

- 2015 -

Kühl, Y.; Wittstock, F.; Wulf, N.
Auf Augenhöhe? Beteiligung lernen in der Endlagerdebatte. Berichte von den Veranstaltungen "Bürgerdialog Standortsuche für hoch radioaktive Abfallstoffe" der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe und "Atommüll ohne Ende, Teil 2", Berlin, 20.06.2015. Technikfolgenabschätzung - Theorie und Praxis 24(2015)3, S. 132-136. Online verfügbar unter: http://www.tatup-journal.de/downloads/2015/tatup153_kuua15a.pdf

Wulf, N.
Die schwedische Endlagersuche: Zur Expertise und der Kommunikation von Wissen und Nichtwissen. Vortrag im Rahmen des Doktorandenkolloquiums, KIT-ITAS, Karlsruhe, 16.11.2015

- 2013 -

Wulf, N.; Hammes, K.; Schymanski, A. (Hrsg.)

Leuchten und Leuchttürme. Diskursanalytische Studien zur Distinktion im deutschen Bildungssystem. Freiburg: FreiDok. Online verfügbar unter: https://freidok.uni-freiburg.de/data/9149

Wulf, N.
Schule als paradoxe Institution. Eine diskursanalytische Betrachtung der Anrufung von  Persönlichkeit und Kompetenz. In: Wulf, N.; Hammes, K.; Schymanski, A. (Hrsg.): Leuchten und Leuchttürme. Diskursanalytische Studien zur Distinktion im deutschen Bildungssystem. Freiburg: FreiDok. Online verfügbar unter: https://freidok.uni-freiburg.de/data/9149