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Egalität oder Exzellenz

Zur Gleichzeitigkeit gegenläufiger Rationalitäten im deutschen Bildungswesen

Gefördert durch:

Deutsche Forschungsgemeinschaft, Teilprojekt im Rahmen der DFG-Forschergruppe Mechanismen der Elitebildung im deutschen Bildungssystem (FOR1612)

Mitarbeiter:

Dr. Tobias Peter

Laufzeit:

2011 - 2017

Website:

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Kurzbeschreibung:

Das Vorhaben untersucht mit der gesellschaftlichen Konstruktion von Egalität und Exzellenz die diskursive Formation und die praktischen Effekte von zwei gegenläufigen politischen Rationalitäten des zeitgenössischen Bildungswesens in Deutschland. Während im Elementar- und Primarbereich des Erziehungssystems ein Vokabular der Chancengerechtigkeit (inklusiv und auf Mindestkompetenzen in der Breite orientiert) den bildungspolitischen Diskurs dominiert, bildet im tertiären Bereich bei den Hochschulen Exzellenz (exklusiv und auf Höchstleistungen in der Spitze orientiert) den Fluchtpunkt politischer Interventionen und institutioneller Reformprozesse. Untersucht werden soll unter theoretischer Orientierung an den Studies of Governmentality und der Systemtheorie, auf welche Rechtfertigungsordnungen sich diese gegenläufigen Rationalitäten stützen, welche intendierten wie nicht-intendierten Effekte sie zeitigen, welche Interferenzen sich zwischen ihnen ergeben und mit welchen Mechanismen der Distinktion und Kohärenzbildung über sie Inklusion und Exklusion im Erziehungssystem organisiert werden. Dazu sollen in der beantragten ersten Phase die Rationalitäten der beiden Diskursstränge auf den Ebenen von Strategie und Konzeption, institutioneller Umsetzung, öffentlicher Debatte sowie wissenschaftlicher Reflexion diskursanalytisch untersucht werden. In der zweiten Phase sollen die dadurch begründeten institutionellen Praktiken sowie die mit beiden verbundenen Subjektivierungsformen analysiert werden.

Das Projekt ist eines von sechs Teilprojekten der DFG-Forschergruppe Mechanismen der Elitebildung. In der Forschergruppe werden Prozesse der Konstruktion und Herstellung von Exzellenz in zentralen Bildungsinstitutionen und Bildungsorten in Deutschland von der Vorschule bis zur Hochschule und deren Bedeutung für die Bildungsadressaten und Professionellen untersucht. In sechs Projektvorhaben werden unter der Perspektive von Mechanismen der Elitebildung die bildungspolitischen Diskurse um Exzellenz, das Zusammenspiel von Familie und Institutionen in Elementarbildung und Grundschule, das exklusive gymnasiale Schulsegment, Hochschulen mit einem Eliteanspruch sowie soziale Abgrenzungen in Peerwelten auch unter Berücksichtigung kontrastiver Vergleichsfälle in den Blick genommen.

Bewilligt wurden neben diesem Kooperationsprojekt mit der Universität Freiburg und dem Projekt Elitebildung an Hochschulen am Institut für Hochschulforschung vier Projekte, die in der Philosophischen Fakultät III bzw. im ZSB der MLU angesiedelt werden (Projektleiter: Prof. Dr. Georg Breidenstein, Prof. Dr. Werner Helsper, Prof. Dr. Heinz-Hermann Krüger und Prof. Dr. Johanna Mierendorff/Prof. Dr. Rabe-Kleberg).
Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Dr. Heinz-Hermann Krüger. Stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. Werner Helsper.