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Lehre

 

Es werden regelmäßig Lehrveranstaltungen aus den Themenfeldern Sicherheit, Techniksoziologie und Organisations-soziologie angeboten. Schwerpunkte bilden dabei eine kulturtheoretische Ausrichtung, im Bereich empirischer Forschung wird mit qualitativen Methoden, insbesondere mit diskursanalytischer Ausrichtung gearbeitet.

WS 2018/19

Die Polizei. Zur Soziologie einer Organisation

Mittwoch 10 - 12 Uhr, Kollegiengebäude IV, Mediaraum

Wie andere Organisationen der Justiz und Inneren Sicherheit arbeitet die Polizei an der Aufrechterhaltung der normativen Ordnung der Gesellschaft: sie operiert mit der Differenz von Recht und Unrecht, mit der Unterscheidung von „erlaubt“ und „verboten“, sie überwacht und bestraft. Als einzige Organisation allerdings ist sie mit einer Gewaltlizenz gegenüber der eigenen Bevölkerung ausgestattet. Daraus resultiert die zentrale Ambivalenz der Polizei: sie changiert zwischen Schutz- und Bedrohungsmacht, zugespitzt in den Schlagwörtern vom "Freund und Helfer" und vom "Polizeistaat".  Dieser und weiteren Ambivalenzen - wie dem Changieren zwischen Prävention und Repression - widmet sich das Seminar. Neben einer historisch und organisationssoziologisch geleiteten Verortung der Polizei in Staat und Gesellschaft setzt es sich mit gegenwärtigen institutionellen Transformationen sowie dem Alltag von Polizeiarbeit und polizeilichem Handeln auseinander. Themen sind dabei u.a. die Führung in der Polizei, die Kommunalisierung von Polizeiarbeit, der Wandel von Kontrollpraktiken und die Bedeutung neuer Technologien für die polizeiliche Aufklärungsarbeit.

 

Subjektive Sicherheit: Theorie und Empirie eines Konzepts

Mittwoch 14 - 16 Uhr, Kollegiengebäude IV, Mediaraum

Leute haben Flugangst und reisen stattdessen mit dem Auto. Angst vor Fremden grassiert häufig dort, wo es keine gibt. Kriminalitätsfurcht ist am geringsten bei der am stärksten von Kriminalität betroffenen Gruppe ausgeprägt: jungen Männern. Und mehr noch: Debatten um Umwelt- und Gesundheitsrisiken scheinen gerade in Gesellschaften virulent, in denen die Lebenserwartung historisch unübertroffen ist. „Subjektive Sicherheit“ wird in der Regel dort ins Spiel gebracht, wo statistisch erfasste Gefährdungen und artikuliertes Sicherheitsempfinden auseinanderdriften.

Das Seminar wird sich zum einen mit verschiedenen Konzeptualisierungen und Thematisierungen von subjektiver Sicherheit auseinandersetzen: z.B. differenzierungstheoretischen als Selbstsicherheit, risikotheoretisch in der Bestimmung als Irrationalität vs. soziale Rationalität, gegenwartsbezogen als Diagnose einer „Gesellschaft der Angst“. Zum anderen wird sich das Seminar vor diesem Hintergrund mit der Frage beschäftigen, welche Rolle Unsicherheit lebensweltlich (also subjektiv) spielt, worauf sich geäußerte Unsicherheiten beziehen und inwiefern sie soziologisch (und eben nicht individualpsychologisch) zu erklären ist. Dieser Frage wird sie anhand der Analyse von vorliegenden Interviews zu subjektiver Sicherheit nachgehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Einübung verschiedener qualitativer Auswertungsmethoden – wie Agencyanalyse, objektive Hermeneutik u.a.

 

SoSe 2018

Regieren durch Unsicherheit – Logiken und Praktiken gegenwärtiger Sicherheitsproduktion

Mittwoch 14 - 16 Uhr, Kollegiengebäude IV, Übungsraum I

Mit Konzepten wie „Risikogesellschaft“, „Kontrollgesellschaft“, „Präventionsgesellschaft“ oder auch „Sicherheitsgesellschaft“ verweisen sozialwissenschaftliche Diagnosen auf eine Transformation in der Art und Weise gesellschaftlicher Regulation von Unsicherheiten.  Und mehr noch verweisen sie darauf, dass immer mehr Bereiche des sozialen Lebens als Sicherheitsprobleme thematisiert und bearbeitet werden.

Das Seminar wird sich zunächst mit der historischen und theoretischen Verortung dieses Wandels und Aufstiegs von Sicherheitsthemen auseinandersetzen (u.a. mit Bezug auf Foucault, Ewald, Deleuze). In einem zweiten Schritt werden gegenwärtige Modi des Regierens von Unsicherheit im Feld der Gesundheit, der Kriminalität, der Umwelt und des Unfalls verhandelt.

 

Urbane Sicherheit

Miwoch 10 - 12 Uhr, Kollegiengebäude IV, Übungsraum I

Sicherheit ist seit den 1990er Jahren zu einem zentralen Feld städtischer Entwicklung geworden. Man kann von einer sicherheitspolitischen Wende in der Stadtpolitik sprechen, die eine seither anhaltende Dynamik entfaltet. Die Gründe für diese Wende sind umstritten. Während sich politische Legitimationen auf verschärfte Problemlagen berufen, beobachtet die sozialwissenschaftliche Kritik einen gewandelten gesellschaftlichen Umgang mit Kriminalität, also einen Wandel der Sicherheitskultur, der im Kontext des Aufstiegs neuer sozialer Unsicherheiten und einer Ökonomisierung der Stadtpolitik zu verorten sei.
Das Seminar wird diese Frage nach zugrundeliegenden Logiken der sicherheitspolitischen Wende aufnehmen und an wesentlichen Ausprägungen städtischer Sicherheitspolitik durchspielen: dem ordnungspolitischen Zuschnitt des öffentlichen Raums im Zuge seiner Privatisierung, der Mobilisierung heterogener gesellschaftlicher Akteure im Rahmen städtischer Kriminalprävention, der Technisierung und Materialisierung von Kontrolle im städtischen Raum sowie der forcierten sicherheitspolitischen Rahmung von Großveranstaltungen.

Das Seminar eignet sich auch, um Forschungspraxis zu erwerben und Studienprojekte anzubinden, die sich mit städtischer Sicherheitspolitik in Freiburg beschäftigen.

 

WiSe 2017/18

Materialität: Zur Soziologie von Artefakten und Natur

Mittwoch 14 - 16 Uhr,  Kollegiengebäude IV, Mediaraum

In den Kultur- und Sozialwissenschaften ist seit einigen Jahren von einem „neuen Materialismus“ die Rede, der einen umfassenden Wandel theoretischer Denkgewohnheiten in Aussicht stellt. So neu freilich ist diese Wende zu den Materialen und Objekten keineswegs. Spätestens seit den 1990er Jahren haben sich diverse Spezielle Soziologien ausgebildet, die konzeptionell die materielle Konstitution sozialer Welten reflektieren – so die Soziologie des Raums, des Körpers, der Technik, der Ökologie, der Architektur u.a. „Neu“ am neuen Materialismus ist, parallele Forschungsperspektiven in bisher sehr verstreuten Feldern explizit zu machen. Dies führt zum einen zu einem umfassenderen Verständnis von Materialität, das heterogene artifizielle und naturale Phänomene erfasst – von physikalischen Erscheinungen wie Licht und Klang, über Mikro- und Makroorganismen bis hin zu eher klassischen Objekten wie Körper, Medien, Technologien oder Architektur. Zum anderen erweitert sich das Verständnis für die Verschiedenartigkeit, in der sich das Verhältnis von Materialität und Sozialität empirisch gehaltvoll aufschließen lässt,
Im Seminar werden unterschiedliche Konzeptualisierungen – sozialkonstruktivistische, akteur-netzwerk-theoretische, handlungs- und praxistheoretische – des Verhältnisses sozialer und materieller Phänomene verhandelt. Die Wahl der empirischen Beispiele erfolgt unter dem Gesichtspunkt paradigmatischer Relevanz für die jeweiligen Perspektiven, richtet sich aber auch nach den Interessen der Teilnehmenden.

 

Soziologie des Risikos

Mittwoch 10 - 12 Uhr,  Kollegiengebäude IV, Mediaraum

Vor nunmehr knapp drei Jahrzehnten, unter dem Eindruck der ökologischen Krise und großtechnischer Risiken sah Ulrich Beck eine epochale Verschiebung vor sich gehen, die er als Eintritt in die „Risikogesellschaft“ charakterisierte, als Eintritt in ein Zeitalter globaler Selbstbedrohungspotenziale von bis dahin unbekanntem Ausmaß. Die Rede von der „Risikogesellschaft“ ist seither zu einer weithin diskutierten und akzeptierten gesellschaftlichen Selbstbeschreibungsformel geworden.

Im Seminar werden zunächst Grundlagentexte soziologischer Risikodiskussion diskutiert (Ulrich Beck, Niklas Luhmann), um davon ausgehend die Thematisierung von ökologischen und großtechnischen Risiken auch anhand aktueller Texte zu vertiefen. Verhandelt werden Theorien zum organisatorischen Umgang mit Risiken (Natural Accident Theory, High Reliability Theorie), zu Dispositiven der Sicherheit (François Ewald), sowie zur kulturellen und epistemischen Transformation der Risikowahrnehmung.

 

SoSe 2017

Nachhaltige Integration: Begleitforschung zu einem Flüchtlingshilfeprojekt (Prof. Dr. Stefan Kaufmann/Sabine Blum)

Mittwoch 9 - 13 Uhr, Kollegiengebäude IV, Übungsraum I

Das Seminar findet als begleitende Forschung zu einem Flüchtlingshilfeprojekt der Stadt Freiburg statt. Ziel des Projekts ist, Geflüchteten durch personelle Hilfestellung von ehrenamtlichen „Multiplikatoren“ mit und ohne Flucht- / Migrationshintergrund so frühzeitig wie möglich Orientierungen für eine nachhaltige Integration zu bieten.  Die Vorbereitung des Projekts wurde in den letzten beiden Semestern durch ein Lehrforschungsseminar unterstützt, das zu folgenden Fragen forschte: Welche sach- und wertbasierte Informationen sollen die Multiplikatoren vermitteln? Welche Formate eignen sich dafür? Wie wird dies von Geflüchteten aufgenommen und welche Art von Unterstützung wünschen sie sich selbst?
Das jetzige Seminar  setzt sich mit der Umsetzung des Projekts im Sinne einer „begleitenden Evaluation“ auseinander. Die Arbeiten erfolgen daher in enger Anbindung an die Projektentwicklung. Das übergreifende Ziel ist, zu erheben, (1) ob und inwiefern das Konzept des Projekts tatsächlich zur Unterstützung von Flüchtlingen beiträgt, (2) welche Defizite sich ggf. zeigen, sowie, darauf aufbauend (3) über Rückkopplungsprozesse zwischen Forschung und ( ehrenamtlicher) Praxis zur Entwicklung des Multiplikatorenprojekts beizutragen. Als Methoden sind (zunächst qualitative) Interviews mit Beteiligten (Bedarfsträger, ehrenamtliche Multiplikatoren, Flüchtlingen) und die teilnehmende Beobachtung an praktischen Angeboten vorgesehen.
Das Seminar ist für einen Neueinstieg in das Thema angelegt. In einem ersten Seminarteil werden grundlegende Konzepte diskutiert (Migration, Integration, Flüchtling),  in die deutsche Migrations-, Integrations- und Asylpolitik eingeführt, ebenso in den Stand der Flüchtlingsforschung und der Forschung zur Flüchtlingshilfe. Ein zweiter Seminarteil wird sich mit Methodenfragen beschäftigen, um schließlich in einem dritten Teil in die Forschungspraxis einzusteigen.
Die Sitzungen finden regelmäßig von 10-12.00 statt (um 10.00c.t Uhr beginnt auch die erste Sitzung);  der längere Zeitrahmen (9-13 Uhr) ist für Sondertermine oder Einzel- bzw. Gruppenbesprechungen zu empirischen Forschungsfragen reserviert.

 

Populismus – Bestimmungen, Theorien, Erscheinungsformen

Mittwoch, 14 - 16 Uhr, Kollegiengebäude IV, Übungsraum I

Der Begriff des Populismus hat – sowohl als politischer Kampfbegriff wie als sozialwissenschaftliche Kategorie  und nicht selten als beides zugleich – seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert immer  wieder Konjunktur. Dies auch gegenwärtig: Das Cover eines aktuellen Essays zu Populismus etwa verweist mit Bildern von Victor Orbán, Geert Wilders, Donald Trump, Marine Le Pen, Beppe Grillo und Hugo Chávez noch nicht einmal ansatzweise auf all die Regierungen, Parteien und Bewegungen, die vom demokratietheoretischen Mainstream mit „populistischer Gefahr“ assoziiert werden. Aber schon mit Blick auf die Heterogenität der Genannten stellt sich die Frage, was denn das spezifische Gemeinsame und Abgrenzende, oder anders ausgedrückt: was denn Populismus ist.
Das Seminar wird sich zunächst mit unterschiedlichen Konzeptualisierungen (idealtypischen, typologischen, demokratietheoretischen, relationalen) von Populismus auseinandersetzen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Populismustheorie von Ernesto Laclau und den mit seiner Theorie verbundenen Fragen nach der Konstitution von Hegemonie und kollektiver Identität (Volk), wie auch nach der konstitutiven Affektgeladenheit des Politischen.  Daran anschließend werden in gegenwartsdiagnostischer Hinsicht Fragen nach den strukturellen Ursachen populistischer Konjunktur – wie Prekarisierung und medialer Umbruch – verhandelt. Ein abschließender Seminarteil widmet sich – je nach Interesse der Teilnehmenden – der Analyse einzelner populistischer Strömungen