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Karina Korecky

   

Kontakt

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Institut für Soziologie
Rempartstraße 15
D–79085 Freiburg im Breisgau
Koordination Master-Studiengang

Raum 4507
Tel. +49 761 203-54162

E-Mail:
Sprechstunde: Do. 14-16 und nach Vereinbarung. Bitte um Voranmeldung per E-Mail.

 

Arbeitsschwerpunkte

  • Soziologie von Natur, Körper und Gesellschaft (Medizin- und Gesundheitssoziologie)
  • Subjekt und Subjektivierung
  • Soziologie und Geschichte der Psychiatrie
  • Politische Theorien der Aufklärung
  • Feministische Theorie

 

Lehre im SoSe 2022

SE Biopolitik. Geschichte und Probleme des Begriffs
Biopolitics. History and problems of the concept

Unter Biopolitik wird meist ein Politikfeld verstanden, das von der Bevölkerungs- über die Familienpolitik bis zur Regelung des Gesundheitswesens und der Anwendung von Biotechnologien reicht. Soziologisch stellt sich die Frage, wie der Gegenstand der Biopolitik entstanden ist und verstanden werden kann: Was ist „Bios“ oder das „Leben“, auf das sich Politik richten kann und von welcher „Politik“ ist dabei die Rede? Michel Foucault, Theoretiker der Biopolitik, fasst darunter die „Abstimmung der Menschen- mit der Kapitalakkumulation“ (Der Wille zum Wissen), die im 19. Jahrhundert eine „politische Anatomie des Körpers“ (ebd.) mit einer Machttechnik zusammenführt, die sich auf den Gesellschaftskörper richtet.

Was Foucault damit gemeint hat, welche gesellschaftlichen Phänomene (Rassenhygiene, Eugenik) er darin auf welche Weise in kritischer Absicht zurückweist, wird zu Beginn des Seminars erarbeitet. Im Anschluss werden an Foucault anknüpfende Rezeptionen (Haraway, Negri/Hardt, Agamben, Esposito, Vatter) gelesen sowie einige Meilensteine der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um Biopolitik (Entstehung der Medizinsoziologie; feministische Kritik; Institutionalisierung der Bioethik) vergegenwärtigt. Dabei werden jene Elemente der Biopolitik im Auge behalten, die im Gebrauch des Begriffs oft vergessen werden: Zeugung, Sexualität, Geschlecht und Generation.

 

SE Psychiatrie und Geschlecht
Psychiatry and Gender

Was als psychische Krankheit gilt, ist seit Anbeginn der Moderne geschlechtlich konnotiert: Verrücktheit erweist sich als „female malady“ (Elaine Showalter), Wahnsinn als Abweichung von der Vernunft des männlichen Subjekts. Die klassischen, soziologischen Studien zum Zusammenhang von psychischen Krisen und sozialer Lage, sowie zur Institution Psychiatrie (Goffman, Foucault, Fengler und Fengler), haben die Geschlechterdifferenz allerdings kaum berücksichtigt. Auch neuere soziologische und biopsychosoziale Untersuchungen zu genderspezifischen, psychiatrischen Fragen sind, besonders im deutschsprachigen Raum, bis heute rar.

Ausgehend von epidemiologischen Daten werden im Seminar soziologische, historische, psychologische und literarische Auseinandersetzungen mit Geschlecht im (anti-)psychiatrischen Kontext rezipiert und diskutiert: Wie äußert sich Gender in der Gesundheitsstatistik sowie in der gesellschaftlichen Imagination von psychischem Leiden (Stereotypen, diskursive Figuren)? Welche Erklärungsmodelle wurden für die Geschlechterdifferenz in der Psychiatrie bisher gefunden? Vergegenwärtigt werden dabei sowohl historisch relevante Themen (z.B. Hysterie als weibliche Krankheit; männliche Homosexualität als Krankheit) als auch aktuelle Diskussionen (z.B. Kritik der Pathologisierung von Transgeschlechtlichkeit).

 

Akademischer Werdegang

Studium der Soziologie und Politikwissenschaft an den Universitäten Wien und Hamburg. 2006-2009 Projektassistentin bei AuG/Perspective e.V. (ad Universität Lüneburg) im Rahmen des BMBF-geförderten Forschungsvorhabens «Qualifizierung durch Integration erfahrungsbezogener Ressourcen in Organisationen der Pflege». 2011-2013 Lehrbeauftragte am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg, 2013-2014 am Institut für Soziologie der Universität Bremen. 2013-2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt «Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte der Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen in Institutionen des Landschaftsverbandes Rheinland seit 1945», Institut für Geschichte der Medizin, Universität Düsseldorf. Seit 2016 Internship bei Prof. Vivian Liska (Antwerpen/Jerusalem). 2017-2021 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Universität Freiburg (Leitung: Prof. Bröckling) im DFG-Projekt «Psychiatrie und Subjektivität im Wandel. Erfahrungen von Patientinnen und Patienten in bundesdeutschen psychiatrischen Einrichtungen von den 1960er Jahren bis heute». Im SoSe 2022 Vertretung am Institut für Soziologie der Universität Freiburg.

 

Publikationen (Auswahl)

Review Essay: «Verstehen von Sinn und Wahn: Was kann qualitative Forschung in der Sozialpsychiatrie?», iN: Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 21(2), Art. 24, http://dx.doi.org/10.17169/fqs-21.2.3490.

Rezension zu: «Herzog, Dagmar: Lust und Verwundbarkeit. Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA. Göttingen 2018» , in: H-Soz-Kult, 30.04.2019, www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-27727.

«Die Geburt der Frauenbewegung. Skadi Sirii Krauses ZPTH-Artikel in der Diskussion», in: Theorieblog, 06.12.2018, www.theorieblog.de/index.php/author/karina-korecky.

mit Andrea zur Nieden: Psychiatrischer Alltag. Zwang und Reform in den Anstalten des Landschaftsverbands Rheinland (1970-1990), Metropol Verlag: Berlin 2018. Teil II der Reihe Anstaltswelten. Psychiatrische Krankenhäuser und gehörlosenschulen des Landschaftsverbands Rheinland nach 1945, hrsg. von Wolfgang Schaffer. ☞ Verlagsinfo hier.

«Natur als Anfang. Der Beginn des Staates bei Rousseau», in: K. P. Jankrift, A. Kagerer, C. Kaiser, M. A. Martín Romera (Hrsg.): Natur und Herrschaft. Analysen zur Physik der Macht, DeGruyter: Berlin/Boston 2016, 285-310.

«Was den Bürger im Innersten zusammenhält. Anmerkungen zum Verhältnis von Bürger und Staat», in: F. Heidenreich, D. Mineur, D. Schulz (Hrsg.): Die Bürger und ihr Staat in Deutschland und Frankreich. Les citoyens er leur État en France et en Allemagne, Schriftenreihe des Internationalen Zentrums für Kultur und Technikforschung der Universität Stuttgart, LIT: Berlin 2014, 83-96.

«Le Contrat Sophie. Zur Verknüpfung zweier Felder der Rousseau-Rezeption», in: J. Reiling, D. Tröhler (Hg.): Zwischen Vielfalt und Imagination. Praktiken der Jean-Jacques-Rousseau-Rezeption. Entre hétérogénéité et imagination. Pratiques de la réception de Jean-Jacques Rousseau, Reihe Travaux sur la Suisse des Lumières, Slatkine: Genf, 2013, 383-406.

«Wo die Liebe zu den Gesetzen im Staate ruht. Über den Zusammenhang von Weiblichkeit und Nation», in: A. Kindler, B. Oellers, H. Pass (Hg.): Theorie und Praxis. Beiträge zur Kritik der Gesellschaft, LIT: Berlin 2011, 150-176.